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Das Leben ist ein Battle

Er ist der Mann mit dem Hut. Und er ist nicht allein. Seine Crew heißt step2diz, die bereits seit gut 20 Jahren mit Breakdance für Wirbel sorgt. Mittendrin, der Mann mit dem Hut. Er heißt Aloun Phetnoi Ferzandi, der mittlerweile 38 Jahre alt und Vater von drei Kindern ist. Den Hut trug er bereits als Jugendlicher, bei Breakdance-Battles in Jugendzentren. Das ist bis heute so geblieben. Nur durch Europa tourt er mit seinen Jungs nicht mehr, übernachtet auch nicht mehr in Gepäckschließfächern, und die kalten Pommes oder wabbeligen Burgerreste, die in Fastfood-Restaurants schon mal liegen bleiben, stillen auch nicht mehr seinen Hunger. „Diese Zeiten sind längst vorbei“, sagt Aloun. „Aber sie waren gut, haben mich viel gelehrt.“

Jetzt ist Aloun der Lehrer, unterrichtet Kinder, Jugendliche und Erwachsene in der „Akademie der Bewegung“ in München, die sich in zwei Studios aufteilt. Das eine befindet sich in Giesing, das andere in Haidhausen. So etwas gab es zu seiner Anfangszeit als Breakdancer nicht. Da musste man sich so ziemlich alles direkt von der Straße holen.

 

Aufgewachsen ist Aloun Phetnoi Ferzandi im Hasenbergl. Da drehte sich relativ wenig um Tanzen, geschweige denn Breakdancen. „Wir fanden es cool, Leute anzumachen, etwas aufzumischen und deren Geldbörsen zu klauen“, erinnert er sich. „Einfach so aus Lust und Laune.“ Er schüttelt seinen Kopf: „Eigentlich ziemlich krank.“

 

Doch dann kommt Aloun, als er elf Jahre alt ist, in Berlin mit Hip Hop in Berührung. Eine Jugendkultur, die aus vier Elementen besteht: Rappen, fetten Beats (DJ), Breakdance und Graffiti. Letzteres lernt er bei seinem Cousin eben in Berlin kennen. Die Musik gefällt ihm ebenfalls sehr gut – allerdings ohne den aufgeblasenen „Gangstershit“ und die schweren Goldketten. Die Hip Hop-Bands der Zulu-Nation wie A Tribe Called Quest, De La Soul oder DJ Afrika Bambaataa sprachen ihm aus dem Herzen. Die nicht die alltäglichen Kämpfe und Konflikte in den Straßen von New York mit Gewalt und Knarren lösten, sondern durch gemeinsame Breakdance-und Freestyle-Battles. Die ihre inneren Aggressionen in die Musik und den Tanz packten. Das gefiel Aloun sehr. Denn: „Das Leben ist ein Battle, bei dem du nur gewinnen kannst.“

 

Hip Hop holt Aloun aus dem Großstadtsumpf, der besonders in seinem Viertel von Gewalt und Drogen durchzogen ist. Er will sich nicht länger und weiter runterziehen lassen.
Im Zeugnerhof, einem Jugendzentrum in Berg am Laim, findet er Hip Hop auch in München – und sein zweites Zuhause. Dort wird die Jugendkultur gelebt – Jams gefeiert, Wände besprüht und auf Pappkartons gebreakt. Und dort lernt er Astrid Weindl kennen, die damalige Jugendleiterin vom Zeugnerhof. Die beiden haben bis heute Kontakt. Sie bringt damals Aloun zum Breakdancen, indem sie ihn einer Gruppe von B-Boys – also Breakdancern – vorstellt, die regelmäßig im Zeugnerhof proben. Aloun: „Ich dachte, ich bin total unbeweglich.“ Doch es dauert nicht lange, und er bekommt nicht mehr genug davon, wirbelte über den Boden und begeistert mit seiner Crew auf dem Marienplatz die Massen.

Step2diz war geboren. Neben den Straßenschaus auf dem Marienplatz, organisiert die Crew auch zahlreiche Jams in München, verdiente sich so ein paar Groschen und reist damit quer durch Deutschland und Europa, von Stadt zu Stadt , von Battle zu Battle. Im Gepäck Rapmusik, Stifte, Papier und die Freude, neue Menschen und Kulturen kennenzulernen. Alles dreht sich dabei um die vier Hip Hop-Elemente – im Mittelpunkt dabei immer Breakdance.

 

Die Zeit vergeht. Aloun besucht mit seiner Crew Jugendzentren und Schulen. Er legt dicke Pappkartons auf den Asphalt in Schulhöfen und Hinterhöfen, dreht mit step2diz im wahrsten Sinne des Wortes ab. „Aufklärungsarbeit von der Straße, für die Straße“, nennt er das. „Das machen wir bis heute so.“

Im Jahr 2007 folgt schließlich der Schritt von der Straße ins Studio. Step2diz gründet sein erstes Tanzstudio in Giesing. Warum? „Wir wollten einen festen Raum für uns und unsere Freunde haben“, erzählt Aloun. Einen Ort, von dem sie nicht die Polizei wegen Ruhestörung oder sonst irgendwer verscheuchen kann. „Kurse wollten wir gar nicht geben.“ Doch es kommen immer mehr Kinder und Jugendliche dazu – und so nimmt das Ganze seinen Lauf. „Breakdance war und ist eine große Bewegung“, sagt der Vater von drei Kindern. „Eine Jugendbewegung, die nichts mit Gewalt und Kriminalität zu tun hat, was viele Eltern leider oft denken.“ Breakdance verbinde die unterschiedlichsten Menschen, fremde Kulturen und Nationen miteinander. „Für mich steckt Breakdance voller Respekt, Toleranz und Liebe.“

In den beiden Studios der „Akademie der Bewegung“ von step2diz dreht sich alles um den akrobatischen Straßentanz. Mit Kursen für Kinder ab fünf Jahren. Sonntags stehen die Anfänger auf dem Programm, unter der Woche sogenannte Basic-Kurse für Fortgeschrittene. Was man dafür braucht? „Nicht viel. Nur ein Paar bequeme Sportschuhe und gute Musik, für den Rest sorgt der Körper“, sagt Aloun Phetnoi Ferzandi und setzt plötzlich seinen Hut ab. „Es ist auch egal, ob du klein oder groß, dick oder dünn, schwarz oder weiß bist. Einen Hut trägst oder nicht. Jeder der gehen kann, kann tanzen und darf mitmachen. So lautet unser Motto.“ Breakdance ist für alle da – und kennt keine Grenzen…

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