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Das Leben ist ein Battle!

Er ist der Mann mit dem Hut. Und er ist nicht allein. Seine Crew heißt „Step2Diz„, die bereits seit über 20 Jahren mit Breakdance für Wirbel sorgt. Mittendrin, der Mann mit dem Hut. Sein Name: Aloun Phetnoi Ferzandi, der mittlerweile 44 Jahre alt und Vater von drei Kindern ist. Den Hut trug er bereits als Jugendlicher, bei Breakdance-Battles in Jugendzentren. Das ist bis heute so geblieben. Nur durch Europa tourt er mit seinen Jungs nicht mehr, übernachtet auch nicht mehr in Gepäckschließfächern, und die kalten Pommes oder wabbeligen Burgerreste, die in Fastfood-Restaurants schon mal liegen bleiben, stillen auch nicht mehr seinen Hunger. „Diese Zeiten sind längst vorbei“, sagt Aloun.

„Aber diese Zeiten waren gut, sie haben mich viel gelehrt.“

Jetzt ist Aloun Tanzlehrer, unterrichtet Kinder, Jugendliche und Erwachsene in zwei „Step2Diz“ Studios in München. Das erste Studio befindet sich in der Sedanstraße 29 in Haidhausen. Studio zwei befindet sich in der Rosenheimer Straße 5, direkt im Gasteig.  In seiner Anfangszeit als Breakdancer gab es für Aloun keine Studios. Damals eignete er sich seine Breakdance Skills auf der Straße an.

 

Aufgewachsen ist Aloun Phetnoi Ferzandi im Hasenbergl. Da drehte sich relativ wenig um Tanzen, geschweige denn Breakdance. „Wir fanden es cool, Leute anzumachen, etwas aufzumischen und deren Geldbörsen zu klauen“, erinnert er sich. „Einfach so aus Lust und Laune.“ Heute schüttelt er seinen Kopf: „Eigentlich ziemlich krank.

 

 

Doch mit elf Jahren kommt Aloun in Berlin mit HipHop in Berührung. Eine Jugendkultur, die aus vier Elementen besteht: Rappen, fetten Beats (DJ), Breakdance und Graffiti. Letzteres zeigt ihm sein Cousin in Berlin. Die Musik gefällt ihm ebenfalls sehr gut – allerdings ohne den aufgeblasenen „Gangstershit“ und die schweren Goldketten. Die Hip Hop-Bands der Zulu-Nation wie A Tribe Called Quest, De La Soul oder DJ Afrika Bambaataa sprachen ihm aus dem Herzen. Welche die alltäglichen Kämpfe und Konflikte in den Straßen von New York nicht mit Gewalt und Knarren lösten, sondern durch gemeinsame Breakdance und -Freestyle-Battles. Sie packten ihre inneren Aggressionen in die Musik und den Tanz. Aloun hatte gefallen daran gefunden. Eine Lebensweisheit wurde ihm dadurch klar:

  „Das Leben ist ein Battle, bei dem du nur gewinnen kannst.“

 

Hip Hop holt Aloun aus dem Großstadtsumpf, der besonders in seinem Viertel von Gewalt und Drogen durchzogen ist. Er will sich nicht länger runterziehen lassen. Im Zeugnerhof, einem Jugendzentrum am Berg am Laim, findet er Hip Hop auch in München – und sein zweites Zuhause. Dort wird die Jugendkultur gelebt – Jams gefeiert, Wände besprüht und auf Pappkartons gebreakt. Und dort lernt er Astrid Weindl kennen, die damalige Jugendleiterin vom Zeugnerhof. Beide halten bis heute den Kontakt zueinander aufrecht. Astrid war damals ausschlaggebend für den Anfang von Alouns Tanzkarriere. Sie stellt ihn einer Gruppe B-Boys (Breakdance-Boys) vor, welche regelmäßig im Zeugnerhof probten. Aloun: „Ich dachte, ich bin total unbeweglich.“ Doch es dauert nicht lange, und er bekam nicht mehr genug davon. Er wirbelte über den Boden und begeisterte mit seiner Crew auf dem Marienplatz die Massen.

Step2diz war geboren. Neben den Straßenshows auf dem Marienplatz, organisiert die Crew auch zahlreiche Jams in München. Dadurch verdienten sie sich ein paar Groschen und reisten damit quer durch Deutschland und Europa, von Stadt zu Stadt, von Battle zu Battle. Im Gepäck: Rapmusik, Stifte, Papier und die Freude neue Menschen und Kulturen kennenzulernen. Alles drehte sich dabei um die vier Hip Hop-Elemente – jedoch im Mittelpunkt immer Breakdance.

Die Zeit vergeht. Aloun besucht mit seiner Crew Jugendzentren und Schulen. Er legte dicke Pappkartons auf den Asphalt in Schulhöfen und Hinterhöfen, dreht mit Step2Diz im wahrsten Sinne des Wortes ab. „Aufklärungsarbeit von der Straße, für die Straße“, nennt er das. „Das machen wir bis heute so.“

Im Jahr 2007 folgt schließlich der Schritt von der Straße ins Studio. Step2diz gründet sein erstes Tanzstudio in Giesing. Warum? „Wir wollten einen festen Raum für uns und unsere Freunde haben“, erzählt Aloun. Einen Ort, von dem sie nicht die Polizei wegen Ruhestörung oder sonst irgendwer verscheuchen kann. „Kurse wollten wir gar nicht geben.“ Doch es kamen immer mehr Kinder und Jugendliche dazu – und so nahm das Ganze seinen Lauf. „Breakdance war und ist eine große Bewegung“, sagt der Vater von drei Kindern. „Eine Jugendbewegung, die nichts mit Gewalt und Kriminalität zu tun hat, was viele Eltern leider oft denken.“ Breakdance verbinde die unterschiedlichsten Menschen, fremde Kulturen und Nationen miteinander.

„Für mich steckt Breakdance voller Respekt, Toleranz und Liebe.“

In den Studios, auch genannt „Akademie der Bewegung“ von Step2Diz, dreht sich alles um den akrobatischen Straßentanz. Mit Kursen für Kinder ab fünf Jahren. Sonntags stehen die Anfänger auf dem Programm, unter der Woche sogenannte Basic-Kurse für Fortgeschrittene. Was man dafür braucht? „Nicht viel. Nur ein Paar bequeme Sportschuhe und gute Musik, für den Rest sorgt der Körper“, sagt Aloun Phetnoi Ferzandi und setzt plötzlich seinen Hut ab.

„Es ist auch egal, ob du klein oder groß, dick oder dünn, schwarz oder weiß bist. Einen Hut trägst oder nicht. Jeder der gehen kann, kann tanzen und darf mitmachen. So lautet unser Motto.“

Breakdance ist für alle da – und kennt keine Grenzen…

 

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